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Roland Müller, Stuttgarter Zeitung, 30.11.2017

 

„Erwacht aus schweren Träumen: Im Stuttgarter Theaterhaus zeigt das freie Theaterprojekt Stuttgart 22 eine sehenswerte Dostojewski-Variation in der Regie von Christof Küster.”

 

„Die Bühne von Maria Martinez Peña wird von weißen Bettdecken regiert.

Im Dutzend hängen sie wie Schweine an Haken, im Dutzend stapeln sie sich wie in einem Schlafsaal auf dem Boden” (…) „Die Steppdecken werden zur Videoleinwand, auf der sich eine alte Mähre grobkörnig so lange schindet, bis das vorzügliche Ensemble (Boris Rosenberger, Sebastian Schäfer, Gundi-Anna Schick und Cathrin Zellmer) im Blut- und Wodkarausch wie besessen mit einer Essgabel auf die Decke einsticht, wieder und wieder, bis sie vollkommen zerfetzt ist.
Mit einfachsten Mitteln erzeugt Küster, Intendant des Studio-Theaters, größtmögliche Wirkungen. Das gilt auch dann, wenn sich aus Raskolnikows Alptraum des bestialisch getöteten Tiers die einzelnen Kapitel dieser so sinnlichen wie klugen Abhandlung schälen. Traumatherapie, Zivilcourage, Alltagsgewalt, Lynchmob – selbst der Terror der Beate Zschäpe fügt sich organisch in die mit objektiven Erkenntnissen der Wissenschaft und subjektiven Erinnerungen der Schauspieler arbeitenden Raskolnikow-Variation. Mit großer Ernsthaftigkeit und Stringenz entwirft Küster zeitgenössische und hochaktuelle Bilder von Verbrechen und Strafe. Sehenswert!”

 

 

„und – er erwacht.” Raskolnikows Traum